Anton & Leyla ermitteln – Der Roboterraub [Rezension]

 

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Ein Klassenzimmer-Krimi mit ziemlich ungewöhnlichen Detektiven

Anton liebt die Ordnung sowie seine Routine und Leyla das Chaos. Mit seinem Gespür für Logik und ihrem Bauchgefühl bilden sie ein unschlagbares Team. Er fragt sich wirklich, wie er bis jetzt ohne sie überlebt hat. In der Wiesental-Grundschule wartet ein neuer Fall auf das Duo, denn ein Roboter-Dieb treibt sein Unwesen. Julian hat in Frau Farbers Tüftler-AG wochenlang mit Macke, die eigentlich Daniela heißt, aber jede Macke an Computern reparieren kann, an seinem Roboter Robert gearbeitet – und jetzt ist er mitsamt den Plänen verschwunden! Doch Leyla und Anton haben schon bald zwei Hauptverdächtige, die starke Sarah und Leo Aram aus Antons Nachmittagsklasse bei Frau Kim. Schaffen sie es, mit ihrem findigen Plan den Dieb bis zum großen Roboter-Rennen zu finden, damit Julian noch antreten kann?

Ein spannender Lesestoff für alle Leseanfänger ab 7 Jahren!

Anton & Leyla ermitteln – Der Roboterraub ist ein großartiges Buch des in Irland geborenen Lehrers und preisgekrönten Autors Liam O´Donell, welcher bereits mehrere Bücher, unter anderem die Minecraft-Romane „Battle of the Blocks“ sowie Graphic Novels veröffentlicht hat. Die lustige wie auch spannende Detektivgeschichte ist unterhaltsam geschrieben und entführt auf sehr charmante Art und Weise in das Land der Fantasie. Die zwei hinreißenden Kinderbuchhelden Anton & Leyla vermitteln wie selbstverständlich, was in Kindern vorgeht, die ein bisschen anders sind als andere und lösen die kniffligsten Rätsel mit Witz und Köpfchen.

Eine klare Leseempfehlung für Kinder ab 7 Jahren

Alle Fälle von Anton & Leyla bei Schneiderbuch:

Anton & Leyla ermitteln, Band Nr. 1: Geheimakte PAUSENBROT
Anton & Leyla ermitteln, Band Nr. 2: Der Roboter-Raub

Das dritte Abenteuer von Anton & Leyla erscheint bei Schneiderbuch im Frühjahr 2019

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Anton & Leyla ermitteln - Geheimakte Pausenbrot
Liam O´Donnell, erschienen bei Schneiderbuch
Hardcover, Seitenzahl: 160 Seiten
ISBN 978-3-505-14138-6, EUR 10,00

 

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Der Junge vom Saturn. Wie ein autistisches Kind die Welt sieht [Rezension]

Der Junge vom Saturn

„Peter ist ein seltsamer Junge. Wenn er sich freut, flattert er mit den Armen, wie ein Vogel. In der Schule beißt er die Mitschüler, weil er sich mehr durchbeißen soll. Und Zuhause studiert er stundenlang Lichtflecken an den Wänden, weil das so herrlich juchzt.

Peter Schmidts Aufzeichnungen über seine Kindheit mit Asperger-Syndrom sind einzigartig. Denn er kann sich nicht nur an die ersten Jahre seines Lebens, sondern sogar an die Stunden seiner Geburt erinnern!“

Die größten Probleme des Bestsellerautors von „Ein Kaktus zum Valentinstag“ liegen darin, unterschwellige nonverbale Signale sowie die Mimik von anderen zu entschlüsseln. Dazu kommen Schwierigkeiten bei der Gesichtserkennung, seine Wahrnehmung ist fokussiert auf Details, sehr objektorientiert und klare Strukturen, Routinen, ein stereotypisches Verhalten, welches sich in Armflattern und Beintänzeln äußert sowie seine Spezialinteressen bieten ihm Sicherheit. Da ihn andere Dinge als seine Mitmenschen glücklich, traurig oder wütend machen und ihm bei Empfindungen die Zwischentöne fehlen, gilt er schnell als gefühlslos.

Während Peter Schmidt seine Kindheit bis in die Jugend hinein beschreibt, wird diese Mauer zu seiner Umwelt immer höher und er kennt die Gründe dafür nicht. Denn was er nicht weiß: Er ist Asperger Autist und es wird noch viel Zeit vergehen, bis er diese Diagnose im Alter von 41 Jahren bekommt. Detailgetreu und sehr unterhaltsam vermag er zu beschreiben, wie ein autistischer Junge die Welt mit dessen Augen sieht, und beleuchtet damit eindrucksvoll nicht nur für Eltern autistischer Kinder Einblicke ein Spektrum, was für viele immer als geschlossen gilt.

So schlimm für ihn als Kind manche Erlebnisse gewesen sind, zum Beispiel als die Mitschüler für sein Verschwinden in der Klasse sammeln: Ohne erhobenen Zeigefinger und frei von anklagenden Worten beschreibt er auf sehr humorvolle Art und Weise die Missverständnisse zwischen ihm und seinem Umfeld sowie die Gefühle dazu und lässt dabei wichtige Einblicke in die Gedankenwelt eines Autisten zu. Da ist die Anekdote von den Bonbons im Laden, die in seinen Augen nichts kosten, weil sie kein Preisschild haben. Auf die Frage hin, ob er schon öfters geklaut hätte, antwortet er wahrheitsgemäß, dass er nur das mitgenommen hätte, was nichts kostet. Bei Stadt-Land-Fluss darf Peter schon bald nicht mehr mitmachen, weil er immer alles gleich weiß und andere Spiele machen ihm nur Spaß, wenn seine Regeln gelten. Da er alles wörtlich nimmt, will er die Löcher im Bauch natürlich sehen, die er seiner Tante Irmgard fragt. Und als er an den Bahngleisen vergeblich auf die Rosenmontagszüge wartet, ahnt er, dass er wohl wieder etwas falsch verstanden hat, genauso, als er den Satz seiner Mutter: „Du musst dich da mehr durchbeißen“ in der Schule für bare Münze nimmt.

„Mein Lieblingsplanet ist der Saturn, weil er als einziger diese schallplattenartigen Ringe und viele Monde hat. Zu dieser Welt fühle ich mich irgendwarum hingezogen. Mein Bett wird zu einem Raumschiff, mit dem ich ungestört jeden Abend aufbrechen kann, zurück in meine Welt. Jeden Morgen werde ich pünktlich wieder auf der Erde sein, um zur Schule zu gehen. Um hier mein Gastdasein zu führen. Als Botschafter einer fernen Welt, die hier auf der Welt eine kleine Kolonie hat. Ich bin keiner von denen auf der Erde. Ich komme woanders her. Die Erde ist ein fremder Planet für mich.“

Die Welt wird immer rätselhafter für ihn. Während seine Klassenkameraden die BRAVO lesen und sich für Partys interessieren, lässt sich von Peter Schmidt von Astronomie, Vulkanen und Erdbeben faszinieren. Er malt Autobahnen, Schienen sowie Straßen in seine Schulbücher und je langweiliger die Unterrichtsstunde für ihn ist, desto filigraner werden die Zeichnungen, bis sie ganze Bücher füllen. Darin projiziert er seine ganzen Empfindungen und Gedanken, die Gefühle und Sehnsüchte als Ausdruck seiner synästhetischen Wahrnehmung seines Lebens sowie der ganzen Welt. Als die älteren Schüler sich dann von ihm auch noch „eine Scheibe abschneiden sollen“, bekommt er es mit der Angst zu tun. Irgendwann ist er dafür bekannt, dass er keine Gesichter malen kann, chemische Formeln für die Liebe aufstellt und mathematisch berechnen will, welche Kurve der Fußball nehmen muss, um das Tor dann zu treffen. Eine Sammlung von 41 selbst aufgestellten Paragrafen soll sein Leben regeln, Ordnung und Halt geben sowie neue Wege ermöglichen. Bei der Zeugnisübergabe wird Peter Schmidt noch einmal bewusst, was ihn zu Schulzeiten quälte, was ihn aufblühen ließ, dass niemand an ihn herankam und er keinen Zugang zu den anderen fand, er sich unverstanden fühlte und lediglich die Normen von anderen galten. Und trotzdem war es für ihn der Punkt, an dem er endlich sagen konnte: „Welt, ich komme!“

Seine autobiographischen Bücher sind ein Plädoyer für Individualität: „Zugang zu einem autistischen Menschen erhält man nur dann, wenn man ihn dort abholt, wo er steht, wenn man vor allem niemals versucht aus ihm etwas zu machen, was er nicht ist und nie sein können wird, sondern ihn mit dem, was er aus seinem Innersten heraus anbieten kann, aufblühen lässt.“

Zum Autor: Dr. Peter Schmidt lebt mit seiner Familie, Frau Martina, seinem Gnubbelchen oder auch Mau genannt sowie den beiden Kindern, den RaRas, in Gadenstedt im Landkreis Peine zwischen Braunschweig und Hannover. Er ist Autor, IT-Experte (SAP-Software), Geowissenschaftler (Diplom-Geophysiker) mit einer Vorliebe für Vulkane, Wüsten sowie Straßen und diagnostizierter Asperger Autist. Bereits durch sein erstes Buch Ein Kaktus zum Valentinstag, welches Platz 19 auf der Spiegel-Beststellerliste erreichte, seine gute Medienpräsenz sowie das außerordentliche Fachwissen konnte er zu einem größeren Verständnis und mehr Aufklärung rund um die mannigfaltige Thematik Autismus beitragen und auf diese Weise ganz charmant eine Brücke zwischen beiden Welten versuchen zu bauen. Seine Lesungen stoßen stets auf reges Interesse. Die beiden Bücher Der Junge vom Saturn und Kein Anschluß unter diesem Kollegen komplettieren die Triologie rund um die Themen Ein Autist und die Liebe, Wie ein autitisches Kind die Welt sieht sowie Ein Autist im Arbeitsleben.

„Manche Menschen müssen außergewöhnliches leisten, um gewöhnlich zu sein. Wenn sie ihren Sehnsüchten folgen, wachsen sie über sich hinaus.“ Dr. Peter Schmidt

 

Ein Kaktus zum Valentinstag
Ein Autist und die Liebe
Dr. Peter Schmidt / erschienen im Patmo Verlag
3. Auflage 2012
Format 14 x 22 cm
224 Seiten
mit vielen Fotos
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8436-0211-2
Der Junge vom Saturn
Wie ein autistisches Kind die Welt sieht
Dr. Peter Schmidt / erschienen im Patmos Verlag
1. Auflage 2013
Format 14 x 22 cm
240 Seiten
mit vielen Fotos
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8436-0390-4
Kein Anschluß unter diesem Kollegen
Ein Autist im Job
Dr. Peter Schmidt / erschienen im Patmos Verlag
1. Auflage 2014
Format 14 x 22 cm
246 Seiten
mit vielen Fotos
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8436-0517-5

Rezension „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“

Raul Krauthausen Cover Dachdecker wollte ich eh nicht werden IDas Leben aus der Rollstuhlperspektive

von Raúl Aguayo-Krauthausen

erschienen im Rohwolt Verlag

Das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, auch „Behindertenrechtskonvention“ genannt, soll nicht nur deren Menschenrechte für Lebenssituationen konkretisieren, sondern in erster Linie eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Das Ziel soll die Gleichstellung von behinderten und nicht behinderten Menschen, seien es körperliche Einschränkungen, gehörlose oder blinde Personen, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder seelischen Schwierigkeiten, pflegebedürftige ältere Personen oder Menschen mit Autismus.

Großes Stichwort: Inklusion. Als Leitbegriff der Behindertenkonvention und tragenden Grundsatz sollen behinderte Menschen in das gesellschaftliche System eingeschlossen und Strukturen sowie Rahmenbedingungen geschaffen werden, die diesen Ansprüchen gerecht wird.

Doch jeder, der sich schon einmal mit der Materie befasst hat, weiß, dass Theorie und Praxis nie weiter als bei diesem Thema entfernt waren.

Immer noch werden Behinderte in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt. Berührungsängste, Ignoranz, aber auch Intoleranz sind wohl die Gründe. Furcht vor der eigenen Fragilität, ja das Augenverschließen vor dem, was uns alle betreffen kann, ob durch Krankheit oder auch Unfall, in jedem Alter. Nicht jeder mit einer Einschränkung kommt so auf die Welt, nur das ist nicht in allen Köpfen verankert. Sonderschulen für geistig und körperlich behinderte Menschen, danach die Arbeit in Behindertenwerkstätten oder die Einweisung in betreffende Heime sind oftmals die einzigen Optionen. Endstation, frei nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Wirklich Endstation?

Raúl Aguayo-Krauthausen ermöglicht in seinem Buch: „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ einen ganz neuen Blickwinkel in die Welt, die vielen aus fehlendem Interesse verborgen blieb. Er wurde mit der Diagnose Osteogenesis Imperfecta (Glasknochen) geboren. Auf sehr interessante, offene und sympathische, aber auch humorvolle Art beschreibt er sein Leben vom Rollstuhl aus. Dabei wirbt er keineswegs mit Mitleid, sondern will mit Spaß zum Umdenken auf beiden Seiten bewegen und in zahlreichen Projekten, wie Sozialhelden e.V., Pfandtastisch-helfen.de, Wheelmap.org, leidmedien.de, wheelramp.de, inklusionsfakten.de, 2sames.de  und selfpedia.de zum Mitmachen motivieren.

Im Einband von „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ steht geschrieben: „Mich mit meiner Behinderung zu beschäftigen, bedeutet Arbeit – ich stelle mich, mal besser, mal schlechter, meiner eigenen Unzulänglichkeit und meinen Ängsten. Mir war es wichtig, zu zeigen, dass eine Behinderung zu haben nur eine von vielen Eigenschaften ist. Mein Leben ist aufwendiger als das von Menschen, die nicht behindert sind, keine Frage. Doch es wird nicht ausschließlich von meiner Einschränkung geprägt und beherrscht. Das habe ich gelernt. Wenn ich aus mir herausgucke, fühle ich mich nicht behindert. Tauchen im Alltag Barrieren auf, begegne ich Menschen, die mich anstarren, oder erlebe ich Situationen der Hilflosigkeit, wird mir erst bewusst, dass ich es bin. Ich mag mein Leben und die Formulierung „behinderter Mensch“, weil sie offenlässt, ob ich behindert bin oder behindert werde. Denn Inklusion ist, wie Fred Ziebarth, der Schulpsychiater meiner Grundschule, sagte, ein beiderseitiger Prozess der Bewältigung und Annahme menschlicher Vielfalt, der uns alle einschließt. Ich wünsche mir, dass sich Menschen mit Behinderung fragen, wie sie gesehen werden wollen, und dass sie ihre Stimme erheben.“ (Raúl Aguayo-Krauthausen)

Schon dafür lohnt es sich, das Buch zu lesen.

Worte, die bewegen und zum Nachdenken anregen. Raúl Aguayo-Krauthausen charakterisiert seine Einschränkung als eine Eigenschaft von vielen. Mit Humor und großer Sachkenntnis lässt er uns Einblicke in seinen Alltag gewähren und zeigt auf, wie ein gemeinsames gesellschaftliches Leben von behinderten, nicht-behinderten und noch-nicht-behinderten Menschen aussehen kann.

„Behinderung geht alle an“. Ohne erhobenen Zeigefinger sondern mit viel Charme und Eloquenz revolutioniert Raúl Aguayo-Krauthausen eine neue Wahrnehmung. Beim Lesen rückt der Fokus völlig vom Rollstuhl ab und ist nur auf die Persönlichkeit des Autors gerichtet. Selbst in den Passagen, wo es um diesen geht, wird er nicht als das Hauptsächliche, was sein Leben bestimmt, definiert. Denn das sind andere Sachen: Projekte, die bewegen, Freunde und Weggefährten, seine Schul- und Studienlaufbahn, aber auch das Arbeitsleben oder Auftritte als Redner, um nur einige zu nennen. Und nicht zuletzt, auch wenn am Rand, die Liebe, was mich an ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry erinnert:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Lebensabschnitte, die Raúl Aguayo-Krauthausen einen differenzierteren, bewussteren Umgang ermöglichten und die ihn in der Gesamtheit aller Ereignisse in Kombination mit seinen einzigartigen Charakterzügen zu dem gemacht haben, was er ist: Ein selbst bestimmter Aktivist, der sich über seine Behinderung und den Rollstuhl lange schon erhoben hat.

„Ein persönliches Plädoyer für Toleranz und Freude am Leben“

Ich kann das Buch „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ nur empfehlen: Kaufen, lesen, sich begeistern lassen, mitmachen. Wheelmap.org ist zum Beispiel eine ganz großartige Sache, bei der jeder mitwirken kann: Dabei handelt es sich um eine Karte zum Finden, Markieren sowie Suchen rollstuhlgerechter Orte. Nicht nur, aber gerade auch für Schulprojekte eine fantastische Idee. Schaut auf jeden Fall mal rein!

IMG_0651 I AIMG_0652 II AIMG_0654 II AIMG_0653 II Atext & photos by Birge Tramontin